ZUM GEDENKEN AN DIE IM JAHRE 1530 IN REINHARDSBRUNN HINGERICHTETEN TÄUFER

Der Freistaat Thüringen und die EKM haben am 18. Januar 2013 in Waltershausen und Reinhardsbrunn das Themenjahr ‚Reformation und Toleranz‘ eröffnet. Dabei ist am Informationszentrum Spiritueller Tourismus zum Gedenken an die 1530 hingerichteten Täufer eine Stele enthüllt worden. Am 15. September 2013 wurde vor der Kirche St. Blasii in Zella-Mehlis für die Täufer ebenfalls ein Gedenkstein errichtet. Vorausgegangen waren Gottesdienste, die zusammen mit heutigen Täufergemeinden eine Würdigung und Rehabilitierung erreichten. Um weitere Informationen über die damalige Thüringer Täuferbewegung zu bekommen, wurde diese Ausstellung erarbeitet. Sie dient aber nicht nur der historischen Vermittlung, sondern stellt die Täufer in den historischen Zusammenhang ihrer Zeit, beleuchtet die weitere theologische und ethische Wirkungsgeschichte und greift die bis heute wirkenden Widersprüche zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit auf. Das Thema hat seine Brisanz nicht verloren und fordert heraus, sich immer neu damit auseinanderzusetzen. Die Ausstellung gibt der Lutherwegstation Reinhardsbrunn ihr inhaltliches Profil. Zur Eröffnung am 7. Juli 2015 kamen mehr als einhundert Gäste unter ihnen auch der Ministerpräsident des Freistaates Thüringen Bodo Ramelow.

Ob weltliche Obrigkeit Macht habe, falsche Propheten, Lehrer oder Ketzer mit dem Schwert oder auf andere Weise zu strafen? … Ich bin übel geneigt und schwer, dazu in dieser Sache, so Hals- oder Blutgericht belanget, zu rathen, … Will und kann derhalben nicht rathen noch zulassen, daß die Obrigkeit Gewalt habe, falsche Lehrer und Ketzer (sie wären denn auch öffentliche Aufrührer) mit dem Schwert oder sonst zu strafen; es ist genug, wo sie des Landes verwiesen werden.

Martin Luther 1528

Dieser Ausspruch Martin Luthers aus dem Jahre 1528 verwundert uns heute, wenn wir die damals aktuelle Situation der Täufer bedenken wollen. Wie kam es dazu, dass die Reformatoren um Martin Luther, wie Philipp Melanchthon mit seinen Aussagen in der Confessio Augustana, Friedrich Myconius in Gotha bei den Verhören der Täufer um Barbara Unger und Justus Menius in Eisenach in seiner Schrift „Der widdertäuffer Lere und geheimnis/ Aus heiliger schrifft widderlegt“, nun ganz anders handelten? Wir wollen in dieser Ausstellung solchen Fragen nachgehen, ob die Verurteilung der Täufer, ihre Hinrichtungen und Verdammung theologisch, ethisch und menschlich nach heutigen Maßstäben gerechtfertigt waren. Wir wollen historische Fakten darlegen, die Täufer in den Widersprüchen der Zeit erspüren und uns selbst in unseren Widersprüchen erkennen. Wir wollen nach fast 500 Jahren Versöhnung anbieten und Versöhnung erbitten. Der Freistaat Thüringen und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland haben dazu am 18. Januar 2013 in Waltershausen und Reinhardsbrunn das Themenjahr ‚Reformation und Toleranz‘ eröffnet. Dabei ist am Informationszentrum Spiritueller Tourismus zum Gedenken an die 1530 hingerichteten Täufer eine Stele enthüllt worden. Am 15. September 2013 wurde vor der Kirche St. Blasii in Zella-Mehlis für die Täufer ebenfalls ein Gedenkstein errichtet. Vorausgegangen waren Gottesdienste, die zusammen mit heutigen Täufergemeinden eine Würdigung und Rehabilitierung erreichten. Um weitere Informationen über die damalige Thüringer Täuferbewegung zu bekommen, wurde diese Ausstellung erarbeitet. Sie dient nicht nur der historischen Vermittlung, sondern stellt die Täuferin die historischen Zusammenhänge ihrer Zeit, beleuchtet die weitere theologische und ethische Wirkungsgeschichte und greift die bis heute wirkenden Widersprüche zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit auf. Das Thema hat seine Brisanz nicht verloren und fordert heraus, sich immer wieder neu damit auseinanderzusetzen. Diese Ausstellung will einen ersten Überblick geben, sie gibt damit der Lutherwegstation Reinhardsbrunn ihr inhaltliches Profil. Sie ist zusammen mit heutigen Täufergemeinden aus Thüringen, der Mennonitischen Gemeinde, den Baptistengemeinden und den Thüringer Bruderhof-Gemeinden erarbeitet worden. Dafür sei allen, die mit Hinweisen und Anregungen beteiligt waren, Dank gesagt. Besonderer Dank gilt Herrn Mennoniten-Pastor Wolfgang Krauß aus Bammental, Herrn Baptisten-Pastor Herbert Müller aus Schmalkalden und Herrn Daniel Hug vom Bruderhof Bad Klosterlausnitz.

Diese Texte sind kein geschlossenes, logisch aufgebautes Denksystem. Sie stellen die Widersprüche dar und wollen zum eigenen Denken und eigenem Glauben anregen. Sie suchen die Auseinandersetzung und führen so über die weiteren Informationen zum eigenen Standpunkt. Den muss jeder Leser selbst für sich entdecken. In der Ausstellung und im Begleitheft weisen QR-Codes die Quellen aus und führen in die weitere Auseinandersetzung ein. Ich wünsche Ihnen in Ihren Widersprüchen die Richtschnur des Handelns, die aus der Gewissheit des Glaubens an den auferstandenen Herrn kommt. Paulus hat in seinem Brief an die Römer Kapitel 15, Vers 7 geschrieben: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Dies gilt auch für uns heute! Ihr Hans-Joachim Köhler

DAS BEGLEITHEFT ZUR AUSSTELLUNG

Zur Ausstellung ist ein 64-seitiges Begleitheft mit allen Inhalten der Ausstellungstafeln, Verdichtungen und Kunstbildern von Hans-Joachim Köhler erschienen. Sie können sich das Heft hier als PDF-Datei ansehen. Gern senden wir Ihnen die gedruckte Version zum Preis von 7,50 Euro portofrei per Post zu. Bestellen Sie ganz einfach per eMail – die Rechnung liegt dem Heft bei.

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